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Die Mär von den "meist gewählten Ausbildungsberufen" Träumer sind sie nicht, die jungen Berufswähler in Deutschland. Längst haben sie ihre Illusionen und Berufswahlphantasien über Bord geworfen, wenn sie sich in der letzten Phase ihres Schülerdaseins um konkrete Ausbildungsberufe bewerben. Angepasst an die Realität regionaler Angebotsstrukturen suchen sie nach einer existentiell notwendigen Berufsausbildung. Doch mit alljährlich wiederkehrender Regelmäßigkeit wird der Eindruck verbreitet, jugendliche Schulabgänger in Deutschland würden bei ihrer Berufsentscheidung nur einige wenige Ausbildungsberufe favorisieren. Statistiken über den Ausbildungsstellenmarkt werden mit entsprechenden Schlagzeilen versehen, damit die staunende Öffentlichkeit glauben soll allein die wenig flexiblen Schulabgänger wären für die Struktur der Ausbildungslandschaft verantwortlich. Dabei ist wissenschaftlich längst belegt, dass Berufswähler dem Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten folgen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg hat durch Forschungsarbeiten von Karen Schober mehrfach die hohe Bereitschaft von Berufswählern nachgewiesen, sich dem insbesondere regional oft sehr eingeschränkten Ausbildungsangebot anzupassen. Schulabgänger verzichten in der Regel auf die Realisierung ihrer Wunschberufe um überhaupt eine Berufsausbildung zu bekommen. Freie Berufswahl reduziert sich für sie auf die Frage, irgendeine der angebotenen Ausbildungsstellen anzunehmen, oder leer auszugehen. In welchen Berufen und in welcher Größenordnung überhaupt ausgebildet wird, bestimmen allein die ausbildenden Betriebe über die von ihnen angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten. Das hat nicht nur Folgen für die individuelle Lebensplanung von jungen Menschen, sondern auch langfristigen Einfluss auf Fehlentwicklungen des Arbeitsmarktes. Ein Beispiel: Die Arbeitslosenstatistik der Bundesanstalt für Arbeit weist für Juni 2003 in der Berufsgruppe Warenkaufleute 412.684 registrierte Arbeitslose aus. Ein Spitzenreiter bei den Arbeitslosen nach Berufsgruppen. Im Berichtsjahr 2002 wurden den Arbeitsämtern von Arbeitgebern 31.204 neue, freie Ausbildungsplätze allein für den Ausbildungsberuf Kaufmann im Einzelhandel zur Vermittlung von Auszubildenden gemeldet. (Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit/ Arbeitsmarktstatistik 2002) Tatsächlich erhielten 29.203 Schulabgänger in 2002 einen Ausbildungsvertrag. Der Ausbildungsberuf Kaufmann-/frau im Einzelhandel ist Spitzenreiter in der Liste der 1o am häufigsten angebotenen Ausbildungsberufe. (Berufsbildungsbericht 2003) "Kein Nachschub für Nürnberg" hatte Hartz in seinem 7. Modul in "Moderne Dienstleistung am Arbeitsmarkt" gefordert. Das Gegenteil wird der Fall sein. |
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