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Über 20 kaum noch Chancen? Aussicht auf einen Ausbildungsplatz sinkt ab 2o. Lebensjahr Ausbildungsbewerber haben nach dem 2o. Lebensjahr kaum noch Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Dies trifft insbesondere auf so genannte Altbewerber zu, bei denen die Erstbewerbung ein Jahr oder länger zurückliegt. Diese Negativeffekte erklärt der neue Berufsbildungsbericht der Bundesregierung mit der Präferenz der Ausbildungsbetriebe für die Altersgruppe der 17 - bis maximal 20-jährigen Bewerber und Bewerberinnen. Gegenüber dem Internetdienst www.berufswahlnavigator.de nannten befragte Betriebe jüngere Bewerberinnen und Bewerber "weniger anspruchsvoll" und "formbarer für betriebliche Belange". Konsequenzen für die Berufswahlstrategie Vorrang für den Direkteinstieg in der Berufswegplanung Der Zeitrahmen zur Realisierung der Berufswünsche soll so gesteckt sein, dass spätestens bis zum 20. Lebensjahr die Einmündung in die Berufsausbildung erfolgt ist. Bei der individuellen Berufswegplanung wird folglich der direkte Einstieg in die betriebliche Berufsausbildung favorisiert. So, dass nach dem Abschluss der Allgemeinbildenden Schule - möglichst ohne Umwege über Berufsfachschulen - der direkte Einstieg in die Berufsausbildung erfolgt. Denn der Besuch einer Berufsfachschule schiebt den Ausbildungsbeginn um mindestens ein Jahr hinaus. Seit Aufhebung der Berufsfachschul-Anrechnungs-verordnung ist ja auch die Anrechnung eines erfolgreichen Berufsfachschulbesuches auf die Berufsausbildung mit verkürzender Wirkung nicht mehr garantiert. Sie ist nur noch im Einvernehmen mit dem Ausbildungsbetrieb erreichbar. Die berufliche Vorqualifizierung über den Berufsfachschulbesuch sollte nur als Alternativlösung eingeplant werden für den Fall, dass der direkte Einstieg in die Berufsausbildung nicht gelingt. Viele Schülerinnen und Schüler wählen aber nach den Erfahrungen von "berufswahlnavigator.de" den umgekehrten Weg. Sie planen zunächst den Besuch einer Berufsfachschule ein, um sowohl die Berufsentscheidung hinauszuschieben, als auch Versäumnisse im Leistungsverhalten zu korrigieren. Schülerinnen und Schüler sollten also frühzeitig für diese Problematik sensibilisiert werden, setzt doch die direkte Einmündung in eine betriebliche Berufsausbildung überzeugende Schulzeugnisse voraus. Denn, so der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung: "Die Wahrscheinlichkeiten, in eine vollqualifizierende Ausbildung einzumünden, hängen sehr stark von der Höhe des Schulabschlusses und den Schulnoten ab" Erweiterung der Berufswahlalternativen Schulabgänger reduzieren vielfach ihre individuelle Berufswahl auf die Wahl nur eines Ausbildungsberufes. Weil aber eine Vielzahl beruflicher Tätigkeiten in unserer Arbeitswelt längst nicht mehr alleine über einen einzigen Ausbildungsberuf erreichbar ist, muss die Palette der beruflichen Alternativen im Rahmen der individuellen Berufswahl erweitert werden. Die in der Berufsorientierung traditionell vorherrschende Fixierung auf einen Ausbildungsberuf als Ergebnis des Berufsfindungsprozesses sollte durch die Befähigung zur Umschreibung bevorzugter beruflicher Tätigkeiten ergänzt werden. Daran orientiert, muss jugendlichen Berufswählern im Rahmen der individuellen Berufsberatung Kenntnis über die diversen Zugangswege zu den bevorzugten beruflichen Tätigkeiten vermittelt werden. Dafür ist im Rahmen der Berufsorientierung in Schulen der Arbeitsmarkt stärker in den Fokus des Berufswahlprozesses zu rücken. Der Internetdienst www.berufswahlnavigator.de bietet auf seiner Webseite unter dem Titel "Marktnahe Berufsorientierung" ein Beispiel für Berufsorientierung an, die den Arbeitsmarkt, sowie Zugangswege zu beruflichen Tätigkeiten, stärker in den Blickpunkt rückt. http://www.berufswahlnavigator.de/navigation/Presseinfo/Newsverzeichnis/Markt.htm FSJ und EQ als letztmögliche Lösung Das Freiwillige soziale, ökologische oder kulturelle Jahr, Wehr, oder Zivildienst zur Überbrückung von Wartezeiten auf einen Ausbildungsplatz sollten - wie auch immer sie am Ende der derzeitigen politischen Diskussion in Zukunft gestaltet werden- nur als letztmögliche Lösung eingeplant werden. Das gleiche gilt für die so genannte Einstiegsqualifizierung (EQ) Ansonsten wird durch die Dauer des Dienstes, der Ausbildungseinstieg weiter hinausgeschoben. Das trifft auch auf die EQ zu, da nicht in allen Fällen im Anschluss an eine EQ die Übernahme in eine Ausbildung erfolgt. Oft wird dadurch die kritische Altersgrenze überschritten. 1,5 Millionen ohne Berufsabschluss In Deutschland lebten im Jahre 2009 rund 1,5 Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren die nicht über einen Berufsabschluss verfügen. Darunter sind nicht nur Altbewerber, sondern auch junge Erwachsene, die eine Berufsausbildung abgebrochen haben, denen es danach nicht gelungen ist, eine neue Berufsausbildung aufzunehmen. ( "Jugendliche ohne Berufsabschluss"; Kurzgutachten Bundesinstitut für Berufsbildung 2009) Dieser Personenkreis der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss kann durchaus noch Möglichkeiten nutzen, um zu einem Berufsabschluss zu kommen. So enthält das Sozialgesetzbuch III (SGBIII) in § 77 Grundsätze zur Förderung von Arbeitnehmern, die nicht über einen Berufsabschluss verfügen. Jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss, die mehrere Jahre beitragspflichtig beschäftigt waren und arbeitslos geworden sind. kann durch die Agentur für Arbeit ein Berufsabschluss gefördert werden. Leider wird diese Förderung durch die Arbeitsagenturen nach Kenntnis von berufswahlnavigator.de sehr restriktiv gehandhabt. Daneben existieren Förderprogramme die aus Mitteln des europäischen Sozialfonds finanziert, und von verschiedenen Bildungsträgern durchgeführt werden. Das Programm "Perspektive Berufsabschluss" will in Kooperation von Bildungsträgern und Betrieben mit "modularer Nachqualifizierung" zu einem anerkannten Berufsabschluss verhelfen. ( http://www.perspektive-berufsabschluss.de/de/159.php ) Angesichts der überragenden Bedeutung die berufliche Qualifikation in unserer Gesellschaft hat, sollten zu keiner Zeit die Bemühungen um einen Berufsabschluss nachlassen. "Am Ball bleiben" heißt die Devise, und gegebenenfalls mit Hartnäckigkeit die Förderung eines Berufsabschlusses einfordern.
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