Fachjournal


Ausbildungspakt auch im Krisenjahr erfolgreich ?

-Unseriöse Propaganda der Paktpartner-

Ein Blick in die Erläuterung der Bundesagentur für Arbeit zu ihren Statistiken über den Ausbildungsmarkt kann helfen, die derzeit über die Medien verbreiteten Erfolgsmeldungen zur scheinbar positiven Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt zur relativieren.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bezeichnet in diesen Erläuterungen ihre statistischen Aufzeichnungen zum Geschehen auf dem Ausbildungsmarkt selbst als eine Geschäftsstatistik. Die Daten werden aus den Geschäftsprozessen der Ausbildungsvermittlung in den Arbeitsagenturen erfasst. Weil die Inanspruchnahme der Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagenturen sowohl für die jugendlichen Ausbildungsbewerber, als auch für die Ausbildungsstellen anbietenden Betriebe freiwillig ist, erfassen die Arbeitsagenturen auch nur einen Teil des Geschehens auf dem Ausbildungsmarkt.

Ein Blick in die statistischen Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit begründet berechtigte Zweifel an der Zulässigkeit der derzeit durch den Ausbildungspakt verbreiteten Beurteilung der Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt. Bedauerlich, dass auch die Bundesagentur für Arbeit zu den Mitgliedern des Ausbildungspaktes gehört.

Kompetenzverluste bei der BA

 

Letztmalig im Berichtsjahr 2002 wurden den Arbeitsagenturen in Deutschland von ausbildungsinteressierten Betrieben mehr Ausbildungsplätze gemeldet, als dann tatsächlich mit ge-eigneten Bewerbern besetzt wurden.

Bereits seit 2003 ist die BA nicht mehr aktuell über das Angebot an tatsächlich zu besetzende Ausbildungsangebote von ausbildungsinteressierten Betrieben informiert. Es werden ihr weniger Ausbildungsplätze von Betrieben gemeldet, als tatsächlich mit Bewerbern besetzt werden.

Dieser Kompetenzverlust der BA wird vielfach auf Änderungen der Organisationsstrukturen in den Arbeitsagenturen zurück-geführt. Die Experimente im Rahmen der Umstrukturierung der BA, so wird vermutet, führten zu einem Verlust der Kundenbindung im Kontakt mit Ausbildungsbetrieben.

Auf der Bewerberseite zeichnet sich nun eine ähnliche Entwicklung ab. Hier verlor die BA seit 2006 gut 30 % des auf freiwilliger Basis bei ihr registrierten Bewerberpotentials.

Der Rückgang der Entlassschüler aus allgemein bildenden Schulen betrug seit 2006 dagegen nur rund 7,3 %

Dieser Rückgang der auf freiwilliger Basis bei den Arbeitsagenturen registrierten Bewerber ist allerdings politisch gewollt. Mit ihrem auch im Internet veröffentlichten "Leitfaden zur Neuausrichtung der Beratung und Ausbildungsvermittlung Jugendlicher (U25)" drängt die BA Jugendliche mit höherem Schulabschluss zu verstärkter Eigeninformation und Selbstsuche. Sie begründet dies mit begrenzten Ressourcen. Ergebnis: die Bewerber bleiben weg.

Vor diesem Hintergrund scheint es unredlich, die Geschäftsstatistik der BA zur Schönfärbung der aktuellen Ausbildungsmarktlage zu missbrauchen. Verlässliche Zahlen über die tatsächlich neu besetzten Ausbildungsstellen in 2009 liefert zum 31.12. 2009 das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit /Statistik Kultusministerkonferenz

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